Österreich im Spätsommer: Wien, Graz & Salzburg – Reiseguide mit Preisen, Tipps & unserer Route über die Alpen

Schlosspark Schönbrunn

Reisebericht September 2026 · Preise Stand Herbst 2026

Ende September hat Österreich etwas Versöhnliches: Die Hitze ist weg, das Licht wird golden, in der Steiermark gärt der Sturm und auf den Almen glänzt schon der erste Raureif. Wir waren 16 Tage unterwegs – zehn Tage Wien, vier Tage Graz, zwei Tage Salzburg, dazwischen eine der schönsten Autofahrten quer durch die Alpen. Drei Städte, drei völlig unterschiedliche Charaktere: Wien ist die große, teure Diva, Graz die entspannte, günstige Überraschung und Salzburg die Schönste – wenn man sie denn vor lauter Reisegruppen zu sehen bekommt. Hier ist alles, was wir unterwegs gelernt haben: wo es sich wohnt, was es kostet, wo man isst und wo man sich den Ärger sparen kann.

  • Reisezeit: Mitte bis Ende September – 15 bis 23 °C, wenig Regen, Weinlese und Sturmzeit
  • Route: Wien (10 Tage) → Graz (4 Tage) → über Gesäuse und Salzkammergut → Salzburg (2 Tage)
  • Budget Wien für 2 Personen: ca. 190 € pro Tag inkl. Unterkunft
  • Am günstigsten: Graz · Am teuersten: Salzburg (Hotels ab ca. 200 €/Nacht)
  • Bester Tipp: In Salzburg nicht in der Stadt schlafen, Hallstatt auslassen

Wien im September: Mild, prachtvoll – und voller als gedacht

Wer glaubt, nach den Sommerferien gehöre Wien wieder den Wienern, irrt. Ende September ist der erste Bezirk fest in Touristenhand. Vor dem Demel am Kohlmarkt, der ehemaligen k.u.k. Hofzuckerbäckerei, stand bei unserem Besuch eine Schlange von gut 50 Metern – für Kaiserschmarrn, den es in Wien praktisch an jeder Ecke gibt. Offenbar schmeckt er dort noch ein bisschen kaiserlicher. Wer nicht anstehen will: Den Demel-Kaiserschmarrn gibt es auch zum Mitnehmen im Papierstanitzel, und ein paar Gassen weiter servieren die klassischen Kaffeehäuser ihn ohne Wartezeit.

Schlosspark Schönbrunn in Wien
Schlosspark Schönbrunn in Wien

Abseits davon ist Wien in dieser Jahreszeit schlicht wunderbar: tagsüber oft über 20 Grad, abends angenehm frisch, die Schanigärten noch offen, die Parks noch grün. Das Wetter lädt dazu ein, die Stadt zu Fuß zu entdecken – und genau das ist auch unser wichtigster Tipp.

Wohnen in Wien: Favoriten statt Fake-Luxus

Unsere erste Unterkunft war ein Apartment der Smartments Hauptbahnhof – funktional, sauber und für den Preis in Ordnung. Die Lage im 10. Bezirk Favoriten war die eigentliche Stärke. Seit der neue Hauptbahnhof 2014/15 eröffnet wurde, hat sich das Viertel rundherum, das Sonnwendviertel, komplett verwandelt: neue Wohnblöcke, Parks, Cafés – aufgewertet, manche würden sagen gentrifiziert. Altes Wien sieht man hier kaum noch, dafür ist die Infrastruktur hervorragend. U1, Straßenbahn, S-Bahn und Fernzüge liegen vor der Haustür, in einer Viertelstunde ist man am Stephansplatz.

Gleich um die Ecke beginnt die Favoritenstraße, eine rund 1,3 Kilometer lange Fußgängerzone bis zum Reumannplatz, mit dem Keplerplatz auf halber Strecke. Hier kauft Wien ein, nicht der Tourist. (Die Fußgängerzone wird bis Ende 2026 begrünt und umgebaut – rechne mit Baustellen.) Favoriten hat bei vielen Wienern keinen guten Ruf. Das wird dem Bezirk nicht gerecht: Wir haben uns hier jederzeit sicher gefühlt, es ist lebendig, multikulturell und deutlich günstiger als die inneren Bezirke.

Weniger Glück hatten wir in der zweiten Woche: Ein Komplex, der sich „Luxury Apartments“ nennt, im 23. Bezirk (Liesing), schon fast am Stadtrand. Ohne Auto ist die Lage kaum sinnvoll. Und der „Luxus“ entpuppte sich als Kulisse: kupferfarbenes Besteck, Marmor aus Plastik, ein goldener Duschkopf – der leider kaputt war. Statt Kunststoff-Marmor hätten wir uns eine funktionierende Dusche gewünscht. Für 120 € pro Nacht ärgerlich und nicht zu empfehlen.

Unser Fazit zur Lage: Lieber zentral-nah und schlicht als weit draußen und „edel“. Gute Basis-Bezirke mit fairen Preisen sind Favoriten (10.), Margareten (5.), Rudolfsheim-Fünfhaus (15.) und die Leopoldstadt (2.) – alle direkt an der U-Bahn. Wer über Airbnb sucht, findet oft bessere Angebote als bei den Hotels – ein Preisvergleich der Unterkünfte in Wien auf Booking.com* lohnt sich trotzdem, gerade bei kostenloser Stornierung. Mit Auto lohnt Wien kaum: Parken ist teuer und kompliziert, die Öffis sind dafür erstklassig.

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Sehenswürdigkeiten: Einfach durch den Ersten treiben lassen

Der beste Plan für den ersten Tag: keiner. Steig am Karlsplatz oder am Museumsquartier aus und lass Dich durch den ersten Bezirk treiben – über den Michaelerplatz und den Graben bis zum Stephansplatz. Hofburg, Kohlmarkt, Pestsäule, Durchhäuser und versteckte Innenhöfe: Kaum eine Altstadt Europas hat so viel imperiale Pracht auf so engem Raum. Der Stephansdom ist frei zugänglich (ohne Führung nur der hintere Teil), der Aufstieg auf den Südturm lohnt sich an klaren Herbsttagen.

Museen: Teuer, aber jeden Euro wert

Wien ist eine Museumsstadt von Weltrang – billig ist sie allerdings nicht. Die wichtigsten Häuser im Überblick:

  • Kunsthistorisches Museum (KHM): 22 € online, 24 € an der Kassa. Bruegel, Vermeer, Raffael, Tizian und eines der prächtigsten Museumsgebäude überhaupt. Wir waren gut vier Stunden drin und haben längst nicht alles gesehen. Tipp: Seit September 2026 ist der Eintritt nur mit gebuchtem Zeitfenster möglich, donnerstags hat es bis 21 Uhr geöffnet. Das Café unter der Kuppel ist ein Erlebnis für sich.
  • Albertina: 20,90 €. Das bekannteste Kunstmuseum im Ersten, direkt neben der Oper. Benannt ist es nicht nach einem Kaiserpaar, sondern nach Herzog Albert von Sachsen-Teschen und seiner Frau Erzherzogin Marie Christine, der Lieblingstochter Maria Theresias. Albert begann 1776 mit der Sammlung, 2026 feiert die Albertina deshalb ihr 250-jähriges Bestehen. Dauerausstellung „Monet bis Picasso“, dazu eine der größten grafischen Sammlungen der Welt. (Dürers berühmter „Feldhase“ ist übrigens fast nie im Original zu sehen – zu lichtempfindlich.)
  • Leopold Museum: 19 €. Wer Klimt, Schiele und Kokoschka sehen will, kommt hier nicht vorbei – die Schiele-Sammlung ist die größte der Welt.
  • mumok: gleich nebenan im Museumsquartier, für alle, die moderne und zeitgenössische Kunst mögen (montags geschlossen). Kombiticket Leopold + mumok: 33 €.

Spartipp für Museumsfans: Wer mehrere große Häuser besuchen will, kauft am besten einen Pass. Der „Three Museums Pass“ (drei Museen nach Wahl aus KHM, Albertina, Leopold und Belvedere) kostet je nach Anbieter rund 52 bis 59 € und ist ein Jahr gültig – man muss also nicht alles in zwei Tage pressen. Wer viel im KHM-Verbund unterwegs ist (KHM, Kaiserliche Schatzkammer, Weltmuseum, Theatermuseum …), fährt mit der KHM-Jahreskarte um 53 € noch besser. Der Vienna PASS (ab ca. 99 € pro Tag) lohnt sich nur bei einem sehr dichten Programm.

Das MuseumsQuartier (MQ) selbst ist auch ohne Ticket einen Besuch wert: Die bunten „Enzis“ (Sitzmöbel) im Innenhof sind bei schönem Wetter dicht belegt, hier flaniert und trinkt man den Feierabend. Für eine Pause empfehlen wir den Falafelteller im MQ Daily – außergewöhnlich gut und für die Lage fair bepreist.

Schönbrunn: Schloss teuer, Park gratis, Zoo besonders

Ein Ausflug nach Schloss Schönbrunn ist Pflicht – zumindest für den Park. Der barocke Schlossgarten ist ab 6:30 Uhr geöffnet und kostenlos. Der Aufstieg zur Gloriette wird mit einem der schönsten Blicke auf Wien belohnt. Die Prunkräume kosten dagegen ordentlich: rund 30 € für die „State Apartments“, um die 40 € für das große Palace Ticket mit Audioguide.

Unser Tipp für alle, die weniger Geld für mehr Erlebnis ausgeben wollen: der Tiergarten Schönbrunn (29 €). 1752 gegründet, ist er der älteste noch bestehende Zoo der Welt und regelmäßig unter den besten Europas – bekannt für großzügige, tierfreundliche Gehege. Hunde sind übrigens weder im Zoo noch im Schlosspark erlaubt.

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Prater, Riesenrad und der „Dritte Mann“

Fahr mit der U1 oder U2 zum Praterstern, über den großen Zebrastreifen – und schon steht man vor dem Wiener Riesenrad. Gebaut 1897 zum Thronjubiläum von Kaiser Franz Joseph, zählt es zu den ältesten Riesenrädern der Welt. Weltberühmt wurde es durch den Filmklassiker „Der dritte Mann“ (1949): In einer der Gondeln hält Orson Welles seine legendäre Kuckucksuhr-Rede. Eine Runde kostet 14,50 €.

Der eigentliche Schatz ist aber der Grüne Prater hinter dem Vergnügungspark: sechs Quadratkilometer Auwald, Wiesen und Kastanienalleen, mitten in der Stadt. Die Hauptallee entlang zu spazieren, wenn sich im September das erste Laub verfärbt, ist eines der schönsten Wien-Erlebnisse überhaupt – und kostet nichts. Mehr grüne Oasen findest Du in unserem Beitrag zu den schönsten Parks in Wien.

Ein echter Geheimtipp für Film- und Geschichtsfans ist die Dritte Mann Tour: Man besucht Originalschauplätze des Films und steigt in die Wiener Unterwelt hinab – die Kanalisation, in der Harry Lime im Finale gejagt wird. Die Tour wird von der Stadt Wien selbst betrieben, kostet 18 € und läuft von Mai bis Oktober jeweils Donnerstag bis Sonntag (Treffpunkt Karlsplatz, beim Girardipark gegenüber dem Café Museum). Feste Schuhe anziehen!

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Das Kunsthistorische Museum Wien – errichtet von Kaiser Franz Josef. Das Gebäude selbst ist ein Kunstwerk. Empfehlung!

Essen in Wien: Vegane Burger und die beste Pizza der Stadt

Zwei Lokale haben uns besonders begeistert:

  • Swing Kitchen (Schwedenplatz 3–4 und Josefstädter Straße 73): Vegane Burger, die selbst überzeugte Fleischesser zum Nachdenken bringen, dazu kreative Beilagen wie Süßkartoffel-Pommes mit Trüffel-Basilikum-Mayonnaise. Alles vegan – und erstaunlich leistbar: Ein Menü kostet kaum mehr als bei McDonald’s oder Burger King.
  • Pizzeria Il Forno (Kleistgasse 20, 3. Bezirk Landstraße): winzig klein, oft voll, aber die neapolitanische Pizza gehört zum Besten, was Wien zu bieten hat – zu fairen Preisen. Warum, liest Du in unserem Beitrag über die besten Restaurants in Wien.

Wer die klassischen Gerichte von Tafelspitz bis Topfenstrudel durchprobieren will, findet in unserem Guide zur Wiener Küche alle Klassiker samt Tipps, wo es sie gibt.

Ausgehen: Gürtelbögen und Bermudadreieck

Das Wiener Nachtleben spielt sich an zwei Orten ab. Unter den Stadtbahnbögen der U6 am Gürtel hat Otto Wagner um 1900 Viadukte gebaut, in deren Bögen heute Bars, Clubs und Livebühnen sitzen – vom rhiz über das Chelsea bis zum B72. Am besten steigt man an der U6 Josefstädter Straße aus und geht den Gürtel entlang. Zweiter Hotspot ist das Bermudadreieck rund um den Schwedenplatz und die Ruprechtskirche im Ersten: enge Gassen, viele Bars, etwas touristischer, aber gesellig. Praktisch: Die Swing Kitchen liegt direkt daneben – die perfekte Grundlage für einen langen Abend.

Öffis in Wien: Das Beste, was die Stadt hat

Wien hat eines der besten Nahverkehrsnetze Europas: fünf U-Bahn-Linien, dichte Straßenbahn- und Busnetze, die U-Bahn fährt am Wochenende die ganze Nacht. Die Preise 2026:

  • Einzelfahrt: 3,20 € (online 3,00 €)
  • 24-Stunden-Ticket: 10,20 € (digital 9,70 €)
  • Wochenkarte: 28,90 € (digital 25,20 €) – ab vier Tagen Aufenthalt die klar beste Wahl

Mit dem Auto tut man sich in Wien dagegen deutlich schwerer: flächendeckende Kurzparkzonen, teure Garagen, viel Verkehr. Stell es am besten ab und lass es stehen.

Was kostet Wien? Unser Tagesbudget für zwei

Wien ist in den letzten zehn Jahren spürbar teurer geworden – für die Region ungewöhnlich. Wer günstiger durch Mitteleuropa reisen will, ist in Budapest oder Bratislava (nur eine Stunde entfernt) deutlich besser bedient. Trotzdem kommt man in Wien mit vernünftigem Budget gut durch, solange man die Touristenfallen im Ersten meidet:

Posten (2 Personen, pro Tag) Kosten
Unterkunft (Apartment/Airbnb) ca. 120 €
Essen & Trinken ca. 60 €
Öffis (Wochenkarte, umgerechnet) ca. 10 €
Summe ca. 190 €
Ohne Eintritte. Dazu kommt seit Juli 2026 eine Ortstaxe von 5 % auf den Übernachtungspreis.

Graz: Die entspannte, günstige Überraschung

Nach Wien wirkt Graz wie ein tiefer Atemzug. Kaum Reisegruppen, keine Schlangen, und die Preise sind ein anderes Kapitel. Unser Airbnb im Bezirk Andritz im Norden der Stadt war außergewöhnlich gut – für nur 80 € pro Nacht. Andritz ist der flächenmäßig größte Grazer Bezirk, grün, ruhig, mit der Mur vor der Tür und den ersten Hügeln im Rücken.

Ehrlich gesagt: Graz hat nicht die Dichte an Pracht, die Wien oder Salzburg bieten. Die Altstadt rund um den Hauptplatz mit dem Rathaus, die Herrengasse, die Dächerlandschaft vom Schlossberg aus und das blubberblasenförmige Kunsthaus an der Mur sind schön und sehenswert – aber nach zwei Tagen hat man das Zentrum gesehen. Die eigentlichen Stärken von Graz sind die Stimmung, das Essen und die Landschaft rundherum.

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Schloss Eggenberg: Ein Universum in Stein

Das Highlight von Graz liegt am westlichen Stadtrand: Schloss Eggenberg, seit 2010 UNESCO-Welterbe. Hans Ulrich von Eggenberg ließ es ab 1625 errichten – mitten im Dreißigjährigen Krieg, in bitterarmen Zeiten. Fertig wurde es erst Jahrzehnte später, unter seinem Enkel. Umso erstaunlicher, was entstanden ist: eines der prächtigsten Schlösser seiner Zeit in ganz Europa, gebaut als steingewordenes Weltbild. Das Schloss hat 365 Fenster für die Tage des Jahres und 24 Prunkräume für die Stunden des Tages, und im Planetensaal kreisen die Himmelskörper an der Decke.

Die Prunkräume sind nur mit Führung zu sehen (ca. 50 Minuten, Ende März bis Ende Oktober, Dienstag bis Sonntag). Der weitläufige Schlosspark mit seinen frei laufenden Pfauen ist ganzjährig geöffnet und kostet nur einen kleinen Eintritt.

Essenstipp: Direkt vor dem Schlosstor liegt das Restaurant Rudolf (Eggenberger Allee 91) mit eigener Hausbrauerei – Zwickl und Märzen aus dem eigenen Sudkessel, gute Hausmannskost, günstige Preise und ein schöner Gastgarten.

Steirischer Herbst auf dem Teller: Unbedingt probieren!

Wer im September in die Steiermark fährt und nur Schnitzel isst, hat etwas falsch gemacht. Jetzt ist Hochsaison für die Spezialitäten des Landes:

  • Sturm: Halb vergorener Traubenmost, trüb, süß-spritzig und tückisch – er schmeckt wie Saft und wirkt wie Wein. Gibt es nur von Ende August bis Ende Oktober.
  • Kürbiskernsuppe und Kürbiskernöl: Das „schwarze Gold“ der Steiermark ist EU-geschützt. Echtes Öl erkennt man an der nummerierten Banderole.
  • Maroni (Kastanien): geröstet, am besten zum Sturm.
  • Most und Äpfel: Rund um Graz verkauft gefühlt jeder zweite Bauer Äpfel, Trauben, Most und Saft ab Hof – oft zur Selbstbedienung. Hohe Qualität, niedrige Preise.

Unser Rat: Fahr unbedingt raus ins steirische Hügelland. In 20 bis 30 Minuten ist man mitten in Weinbergen, Obstgärten und Buschenschänken, wo der Sturm direkt vom Winzer kommt. Was Du sonst noch probieren solltest, steht in unserem Guide zur steirischen Küche.

👉 Stadtführungen, Kulinarik- und Weintouren in Graz und der Steiermark*:

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Warum Graz so gut gelaunt ist

Die Grazer sind überaus freundlich und auffallend gut gelaunt – und das hat vielleicht auch mit Politik zu tun. Seit 2021 regiert mit Elke Kahr eine kommunistische Bürgermeisterin, die im Juni 2026 mit fast 36 % deutlich bestätigt wurde. Ihr Markenzeichen ist die Wohnungspolitik: Hunderte neue Gemeindewohnungen, Mieten, die im Vergleich der Landeshauptstädte zu den niedrigsten Österreichs zählen. Einen Großteil ihres Gehalts spendet sie seit Jahren an Menschen in Not. Man muss ihre Politik nicht teilen, um zu bemerken: Die Stadt wirkt entspannt, leistbar und lebenswert.

Der Haken: die Öffis. Graz hat keine U-Bahn, die Straßenbahn deckt nur einen Teil der Stadt ab, vieles läuft über Busse – ein bekanntes Problem, an dem die Stadt mit neuen Linien arbeitet. Eine Stundenkarte kostet 3,30 €, die 24-Stunden-Karte 7,20 €. Für Ausflüge ins Umland ist ein Auto klar im Vorteil. Wir kommen trotzdem gerne wieder!

👉 Unterkünfte in Graz auf der Booking.com-Karte* – Tipp: In Andritz, Geidorf oder St. Leonhard wohnst Du ruhig und günstig. Alternativ direkt Hotels in Graz vergleichen*:

 

Von Graz nach Salzburg: Die schönste Route über die Alpen

Über die Autobahn (A9/A10) schafft man die rund 280 Kilometer in gut drei Stunden. Viel schöner ist es, sich einen ganzen Tag Zeit zu nehmen. Gerade Ende September, wenn sich die Lärchen gelb färben und über den Gipfeln schon Neuschnee liegt, ist diese Strecke ein Erlebnis:

  1. Graz → Präbichl → Eisenerz (ca. 85 km): Über den Präbichlpass (1.227 m) mit Blick auf den rot getreppten Erzberg, Österreichs größten Tagebau.
  2. Eisenerz → Gesäuse → Admont (ca. 40 km): Durch den Nationalpark Gesäuse, wo sich die Enns tosend durch eine Schlucht zwischen senkrechten Kalkwänden zwängt. In Admont lohnt ein Stopp im Stift Admont mit der größten Klosterbibliothek der Welt (19,90 €).
  3. Admont → Liezen → Bad Aussee (ca. 65 km): Durchs Ennstal, vorbei am mächtigen Grimming, ins steirische Salzkammergut.
  4. Bad Aussee → Pötschenpass → Bad Ischl (ca. 30 km): Von der Passhöhe (993 m) öffnet sich der Blick auf den Hallstätter See und das Dachsteinmassiv – postkartenreif, ohne in Hallstatt selbst im Stau zu stehen.
  5. Bad Ischl → Wolfgangsee → Fuschlsee → Salzburg (ca. 55 km): Die alte Kaiserstadt, dann an zwei der schönsten Seen Österreichs entlang bis nach Salzburg.

Gesamt: rund 280 km und 4,5 bis 5,5 Stunden reine Fahrzeit – plane mit Pausen einen ganzen Tag ein. Wer es eiliger hat, fährt über die A9 direkt nach Admont (spart knapp eine Stunde). Für Autobahnabschnitte brauchst Du eine Vignette. Wer schon am Fuschlsee Lust auf mehr bekommt: Die Wanderung auf den Schober bietet einen herrlichen Blick über den See.

Salzburg: Die schönste Stadt Österreichs – und die vollste

Man muss es ganz klar sagen: Salzburg ist wohl die schönste Stadt Österreichs. Wenn Du an der Salzach entlang flanierst, die Festung Hohensalzburg hoch über den Kuppeln und Türmen der Altstadt thront und dahinter die Berge stehen, dann bist Du überwältigt. Daran gibt es nichts zu rütteln.

Was uns nicht überwältigt hat, waren die Massen. Ende September wurden wir von Touristenströmen empfangen, wie wir sie nicht erwartet hatten. Selbst zu Fuß kommt man in der Innenstadt kaum durch, an Ampeln und Zebrastreifen warten Hunderte Menschen, und Reisegruppen fotografieren jedes auffällige alte Gebäude. Die Preise ziehen entsprechend an.

So entgehst Du den Touristenfallen

  • 500 Meter machen den Unterschied: Ein Kaffee in der Getreidegasse kostet oft deutlich mehr als in den Seitenstraßen oder auf der anderen Salzachseite (Linzer Gasse, Steingasse). Klug auswählen!
  • Früh oder spät: Vor 9 Uhr und nach 18 Uhr gehört die Altstadt fast wieder den Salzburgern – das schönste Licht gibt es dann gratis dazu.
  • Salzburg Card: 24 Stunden für 38 €, 48 Stunden für 45 € (April bis Oktober). Sie enthält Festung inkl. Festungsbahn, Mozarts Geburtshaus, Öffis und vieles mehr. Allein die Festung (ab 15,50 €) und Mozarts Geburtshaus (18 €) zahlen den Großteil schon ab.

👉 Festungs-Tickets, Salzburg Card, Stadtführungen und Ausflüge ins Salzkammergut*:

Welche Sehenswürdigkeiten sich am meisten lohnen, haben wir in unserem Guide zu den wichtigsten Salzburg-Sehenswürdigkeiten zusammengestellt. Was auf den Tisch gehört, von Nockerln bis Kasnocken, steht in unserem Beitrag zur Salzburger Küche.

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Auto und Öffis: Beides keine Freude

Mit dem Auto durch Salzburg zu kommen, ist mühsam – und seit dem 14. September 2026 noch mehr: Das Neutor, der wichtige Tunnel durch den Mönchsberg, ist wegen Bauarbeiten am Festspielbezirk voraussichtlich bis etwa März 2027 komplett gesperrt. Die Altstadtgaragen sind nur noch über Riedenburg erreichbar. Auch die Öffis (Obus und Bus, keine U-Bahn) sind keine echte Alternative. Wer kann, parkt am Stadtrand (Park & Ride) und geht zu Fuß.

Übernachten: Lieber außerhalb

Wir hatten Glück und konnten bei unserer Tante übernachten – Gott sei Dank. Denn selbst die günstigsten Hotels in der Stadt schlagen Ende September mit rund 200 € pro Nacht zu Buche. Das ist schlicht unleistbar. Deutlich günstiger wird es im Umland – im Flachgau, am Wallersee oder im bayerischen Freilassing, nur 15 Minuten entfernt. Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte nicht in Salzburg selbst übernachten, wenn es sich vermeiden lässt.

👉 Auf der Booking.com-Karte* siehst Du sofort, wie stark die Preise außerhalb der Stadt sinken (herauszoomen!). Oder direkt Unterkünfte rund um Salzburg vergleichen*:

 

Warum wir von Hallstatt abraten

Hallstatt ist zweifellos schön – kitschig schön sogar, wie aus einem Märchenfilm. Genau das ist sein Problem. In den knapp 750-Einwohner-Ort kommen jährlich rund eine Million Tagesgäste, an Spitzentagen bis zu 10.000. Hallstatt ist zum weltweiten Symbol für Overtourism geworden. 2023 blockierten genervte Einwohner aus Protest den Zufahrtstunnel, der Hauptparkplatz kostet 15 € am Tag und ist schnell voll, Busse brauchen gebuchte Zeitfenster. Die Hallstätter selbst sind nur noch genervt – und das spürt man.

Unser Rat: Lass es aus. Den schönsten Blick auf den Hallstätter See bekommst Du ohnehin vom Pötschenpass auf der oben beschriebenen Route. Und ruhigere, nicht weniger schöne Seen gibt es im Salzkammergut genug: Altaussee, Grundlsee oder den Gosausee mit dem Dachstein im Hintergrund.

Fazit: Wien, Graz oder Salzburg?

  • Wien für Kultur, Museen, Kaffeehäuser und die besten Öffis – mindestens fünf Tage einplanen.
  • Graz für gutes Essen, Sturm, freundliche Menschen und kleine Preise – ideal als Basis für die Südsteiermark.
  • Salzburg für den einen großen Wow-Moment – aber früh aufstehen und außerhalb schlafen.

Der Spätsommer ist für diese Reise ideal: angenehm warm, die Natur in Herbstfarben und in der Steiermark Erntezeit. Mehr Inspiration für Deine Österreich-Reise findest Du in unserem Überblick zur österreichischen Küche und im Guide Tirol im Sommer.

Häufige Fragen

Wie ist das Wetter in Wien Ende September?

Meist mild bis warm, tagsüber zwischen 15 und 23 Grad, nachts kühler. Eine leichte Jacke für den Abend reicht in der Regel.

Wie viel Geld braucht man pro Tag in Wien?

Zu zweit rund 190 € pro Tag inklusive Unterkunft (ca. 120 €), Essen (ca. 60 €) und Öffis (ca. 10 €), ohne Eintritte.

Ist Graz günstiger als Wien?

Ja, deutlich. Unterkünfte kosten oft ein Drittel weniger (wir zahlten 80 € statt 120 € pro Nacht), auch Essen und Mieten liegen klar unter dem Wiener Niveau.

Lohnt sich Hallstatt?

Unserer Meinung nach nicht. Der Ort ist massiv überlaufen, Parkplätze sind knapp. Den Blick auf den See bekommst Du entspannter vom Pötschenpass, ruhigere Alternativen sind Altaussee, Grundlsee und Gosau.

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