Solarprojekte Kambodscha: Wie eine kleine Solaranlage das Leben einer ganzen Familie verändert

Anne Haffner | reisefroh.de Autor/in: Anne Haffner

In Kambodscha sind noch heute 80% der Haushalte nicht an das Stromnetz angeschlossen. Davon betroffen sind mehr als 12 Millionen Khmer. Da ist eine einzige Solaranlage nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Wir haben es trotzdem getan und eine Solaranlage in Kambodscha installiert, denn jede Solaranlage ist unserer Meinung nach ein Schritt in die richtige Richtung und macht für die betroffenen Personen einen enormen Unterschied.

 

Wie groß dieser Unterschied ist, konnten wir selbst miterleben. Eine bewegende Geschichte darüber, wie eine kleine Solaranlage das Leben einer ganzen Familie verändern kann. 🙂

 

Kambodscha: Ein Land in Armut

 

Nach den Tempeln von Angkor Wat und einigen Tagen in Siem Reap ging es für uns mit dem Boot weiter nach Battambang.

Wir sind 8h lang auf dem größten See Südostasiens geschippert, entlang schwimmender Dörfer.

 

 

Was so romantisch klingt ist leider in der Realität ein purer Kampf ums Überleben. Die Menschen wohnen in klapprigen Wellblechhütten, die nur notdürftig zusammenhalten und meistens noch nicht mal 4 Wände haben… Ein solches Ausmaß der Armut haben wir bisher noch nicht erlebt.

Ein Grund dafür ist auch die noch sehr junge Geschichte Kambodschas. Hier war bis 1998 Bürgerkrieg.

Über 50% der Bevölkerung ist jünger als 21 Jahre… Diese Zeit ist für die meisten noch keine „Geschichte“ und sie spüren auf bitterste Art und Weise die Folgen dieser jahrzentelangen Unruhen.

 

Die schwimmenden Dörfer auf dem Tonle Sap in Kambodscha

Auf der Bootsfahrt von Siem Reap nach Battambang sehen wir viele der schwimmenden Dörfer und Menschen in Armut, die jeden Tag ums Überleben kämpfen müssen.

 

In Battambang angekommen, wollten wir dann eigentlich mal ein bisschen Pause machen um all die Eindrücke der letzten Tage zu verarbeiten. Aber noch an unserem ersten Abend haben wir Narath kennengelernt, einen sehr engagierten jungen Kambodschaner der versucht der ärmsten Landbevölkerung zu helfen. Er wollte Stifte und Spenden für seine Schule sammeln.

Wir haben ihm gesagt, dass wir zwar kein Geld spenden können (und auch keine Stifte) aber dafür Solaranlagen und haben ihm von unserem Verein SunHelp International erzählt…

Er war überglücklich und hatte direkt ein passendes Projekt im Kopf: Die ärmste Familie in seinem Dorf!

 

Eine Solaranlage für Kambodscha

 

Da sämtliche Solaranlagen die wir auf unserer Weltreise installieren von unserem gemeinnützigen Solar-Verein gespendet werden, müssen neue Projekte immer einige Kriterien erfüllen (es werden schließlich offizielle Spendengelder verwendet!) und daher im Vorfeld immer besichtigt werden.

Direkt am nächsten Tag haben wir uns also ein Moped ausgeliehen und sind mit Narath dorthin gefahren, wo 80% der Kambodschanischen Bevölkerung lebt – aufs Land. Genauer gesagt in das kleine Dorf Slarkram, ca. 8km südlich von Battambang.

 

Angekommen sehen wir eine notdürftig zusammengeschraubte Blechhütte, die man noch nicht mal als solche bezeichnen kann. Der Boden besteht aus einfachen Bambusstäben… Und das war‘s! Keine Matratze, keine Kissen, keine Toilette, kein Licht.

 

Der erste Eindruck

Der erste Eindruck unseres neuen Projekts.

Schlafzimmer, Wohnzimmer und alles Hab und Gut der Familie befinden sich hier

Schlafzimmer, Wohnzimmer und alles Hab und Gut der Familie befinden sich hier.

 

Der Moment, wenn Armut ein Gesicht bekommt

 

Hier lebt, so erzählt uns Narath, eine bettelarme Frau. Sie wurde von ihrem Mann verlassen, hat drei Kinder und eines davon musste sie hergeben weil sie es nicht mehr ernähren konnte. Eines ihrer Kinder ist noch ein Baby…

Als sie uns sah, war sie anfangs sehr überrascht und verunsichert. Unser Besuch traf sie völlig unvorbereitet. Narath erklärte ihr, das wir ihr helfen möchten und eine Solaranlage bei ihr installieren würden. Da hat sie bitterlich angefangen zu weinen.

Sie kann sich die teuren Kerzen (25Cent das Stück) nicht leisten. Und mit zwei kleinen Kids braucht sie auch öfters mal nachts Licht. Vor allem, da es in Kambodscha schon um 19h abends dunkel ist.

 

Uns sind die Tränen gekommen und wir mussten uns richtig zusammenreißen. Wir haben ihr versprochen am nächsten Tag wiederzukommen und ihr zu helfen. Nachts konnten wir dann irgendwie nicht schlafen… in einem der teuersten Hotels der Stadt (für deutsche Verhältnisse geradezu unvorstellbar günstig: 11€ das Doppelzimmer). Wie unfair die Welt doch ist…

Am nächsten Tag haben wir geeignete Solarmodule gesucht (eine langwierige Aufgabe bis wir endlich etwas passendes gefunden hatten! 😉 ), noch 6 Kilo Reis und eine Matratze gekauft und sind zu ihr gefahren. Das Solarmodul wurde von unserem Verein SunHelp International e.V. gesponsert, die Matratze und den Reis haben wir privat bezahlt.

 

Das 10 Watt Solarmodul mit zwei LED-Lampen, Kabelbinder und Schrauben für insgesamt gerade einmal 25 USD.

Das 10 Watt-Solarmodul mit zwei LED-Lampen, Kabelbinder und Schrauben für insgesamt gerade einmal 25 USD (ca. 22€).

 

Ein kleiner Schritt in ein besseres Leben

 

Doch bevor wir zu ihr fahren konnten, mussten wir zuerst unseren Besuch und unser Projekt beim Dorfoberhaupt anmelden. In Kambodscha sind Traditionen noch stark verankert und auf dem Land hat der sogenannte „Village Chief“ das Sagen.

Voller Freude und Dankbarkeit kam er direkt mit uns zur Frau. Sie sei die ärmste im Dorf bestätigt er uns und er freue sich riesig, dass wir ihr und seinem Dorf helfen. Diesen Satz wiederholte er an diesem Tag noch so oft, dass wir ihn später auch ohne Khmer zu sprechen kannten. 🙂

 

Kaum angekommen dauerte es nur wenige Minuten bis die ersten Mopeds anhielten und neugierige Nachbarn kamen. Und alle betonten so oft ihre Dankbarkeit, dass wir gar nicht mehr wussten was wir noch sagen sollten. Das Solarmodul kostet 25USD (nur ca. 22€!)… das ist für unsere deutschen Verhältnisse ein lächerlich kleiner Betrag…

Aber hier in Kambodscha für viele unerschwinglich.Denn das Durchschnittseinkommen liegt im Jahr (!) bei ca. 1.000 USD, das sind weniger als 100 USD (ca. 90€) pro Monat. Und ein Großteil der Landbevölkerung lebt sogar von weniger als 1,5 USD am Tag.

 

Die Kleine schaut sich neugierig an wie Sebastian das Solarsystem auspackt

Die Kleine beobachtet neugierig wie Sebastian das Solarsystem auspackt.

Sebastian installiert die Solaranlage und neugierige Nachbarn kommen um zu helfen.

Sebastian installiert die Solaranlage und neugierige Nachbarn kommen um zu helfen. 🙂

Nach nur einer Stunde ist die Installation fertig

Nach nur einer Stunde ist die Installation fertig.

Sebastian und Narath, ohne den wir dieses Projekt niemals hätten finden und umsetzen können

Sebastian und Narath, ohne den wir dieses Projekt niemals hätten finden und umsetzen können.

 

Der große Moment, wenn das Licht angeht

 

An diesem Tag konnten wir etwas Licht ins Dunkel bringen

An diesem Tag konnten wir etwas Licht ins Dunkel bringen! 🙂

 

Als wir fertig waren und das Licht anging war sie überwältigt und hat sich tausend Mal bei uns bedankt. Jetzt kann sie sich statt der Kerzen Reis kaufen und hat Licht und vor allem wieder etwas Hoffnung.

Wir haben ihr auch noch die Matratze und den Reis gegeben. Darüber hat sie sich natürlich auch gefreut, aber wir haben doch gemerkt, dass die Solaranlage das größte Geschenk für sie war.

 

Wir waren total gerührt und begeistert darüber was für eine unglaubliche Bedeutung so ein kleines Solarsystem für die Menschen haben kann und welche Verbesserung der Lebensqualität damit einhergeht. Ich glaube wir beide hatten noch nie das Gefühl etwas so Sinnvolles getan zu haben… 🙂

 

Von links: Narath (unser lokaler Kontakt), das Dorf-Oberhaupt, Sebastian, ich und Aayana (die Mutter der kleinen Familie)

Von links: Narath (unser lokaler Kontakt), der Dorf-Chef, Sebastian, ich und Aayana (die Mutter der kleinen Familie).

 

Und so geht es nun weiter

 

Spontan haben wir unsere Reisepläne geändert. Dieses Erlebnis hat uns so sehr berührt und motiviert, dass wir uns dazu entschlossen haben unsere Zeit in Battambang zu verlängern. Da wir ja weder ein Rückreisedatum für unsere Weltreise haben noch irgendwelche festen Reisepläne, werden wir noch eine Weile hier bleiben und weitere Solaranlagen installieren.

Denn es ist eine riesige Chance, dass wir einen verlässlichen lokalen Kontakt gefunden haben. Und die Menschen hier haben die Unterstützung bitter notwendig…

 

Update Oktober 2016: Wir konnten in dem kleinen Dorf insgesamt acht Solaranlagen erfolgreich installieren! 🙂 Mehr dazu findest Du hier:

Solarprojekte Kambodscha – Ein Blick hinter die Kulissen. 🙂

 

 

▶  Du möchtest nachhaltig Gutes tun? Dann kannst Du jetzt für nur 30€ im Jahr ein Fördermitglied von unserem gemeinnützigen Verein SunHelp International e.V. werden! Aber auch mit einer einmaligen Spende bringst Du schon viel Licht ins Dunkel. Unser Engagement und das unserer Mitglieder erfolgt ehrenamtlich und alle Spenden sind steuerlich absetzbar.

 

Hier findest Du noch viele weitere Informationen zu unserer Solarmission! 😀

 

Übrigens: Eine detaillierte Kostenaufstellung unserer Kambodscha-Reise findest Du hier: Kambodscha – Kosten im Detail. Ein weiteres Highlight das Du nicht verpassen solltest ist außerdem Kampot! 🙂

 

10 Kommentare

    • Lieber Stefan, vielen Dank für Deinen lieben Kommentar!! 🙂 Uns ging die Geschichte selbst auch sehr nahe… es war erschreckend zu sehen in welcher Armut viele der Menschen hier leben. Aber dieses Projekt hat uns auch richtig motiviert weiter zu machen! Wir waren so glücklich darüber zu sehen was für eine enorme Lebensqualität mit einer kleinen Solaranlage einhergeht!!
      Viele reisefrohe Grüße aus Kambodscha! 🙂

    • Vielen Dank für Deinen Kommentar und Deine unterstützenden Worte. Wir freuen uns sehr darüber. 🙂
      Viele reisefrohe Grüße aus Laos
      Anne

  1. Tolle Seite, klasse Berichte ! Ich habe selbst 2 Jahre in Phnom Penh gelebt und auch einige Geschichten erlebt. Das Solarprojekt finde ich sehr interessant, wo gibt es mehr Infos dazu ? Ich habe grosse Lust, da auch, meinem Budget entsprechend einige dieser kleinen Solaranlagen das naechste Mal, mit nach Kambodscha zu nehmen und zu installieren ( oder installieren zu lassen 🙂 )

    • Hey! 🙂 Wir freuen uns riesig über Deinen Kommentar und darüber, dass Du Dir überlegst auch Solaranlagen zu installieren… Ganz große Klasse! Zu unseren Solarprojekten in Kambodscha ist dieser Artikel bisher der einzige, aber weitere Artikel dazu folgen in Kürze. 🙂

      Die Solaranlagen werden von unserem gemeinnützigen Verein SunHelp International e.V. gesponsort. Den Verein haben wir bereits 2014 in Deutschland gegründet. Unter diesem Link findest Du weitere Infos dazu: https://sunhelp-international.com/
      Ziel des Vereins ist es, dort Solaranlagen zu installieren wo es wirklich sinnvoll und notwendig ist und kein Anschluss ans Stromnetz besteht. Unser Motto lautet daher: „Wir bringen Licht ins Dunkel“. 🙂 Die Planung und Umsetzung erfolgt dabei ehrenamtlich durch unsere Mitglieder, die Finanzierung erfolgt über Mitgliedsbeiträge (30€ im Jahr) und Spenden (steuerlich absetzbar).
      Neben Sebastian und mir reisen noch weitere Vereinsmitglieder durch die Welt und sind für den Verein aktiv. Schreib uns gerne mal eine Nachricht an unsere E-Mail-Adresse wenn Du Interesse hast: info@reisefroh.de

      Hier noch ein paar Infos zum Thema Solar & Kambodscha:
      Da knapp 80% der Bevölkerung nicht ans Stromnetz angeschlossen ist gibt es ist jeder größeren Stadt mehrere Solarshops mit einer großen Anzahl an Solarsystemen (hast Du in Phnom Penh bestimmt schon oft gesehen). Es sollte also eigentlich kein Problem sein passende Solaranlagen direkt vor Ort zu kaufen. Viel schwieriger hingegen ist es einen vertrauenswürdigen lokalen Kontakt zu finden, der beim Übersetzen und Auffinden geeigneter Projekte hilft. Vielleicht hast Du einen solchen ja noch aus Deiner Zeit in Phnom Penh. 😉 Falls nicht, können wir Dir hier gerne weiterhelfen.
      Es gibt vor Ort auch einige Firmen, die die Planung und Installation von Solaranlagen übernehmen falls es sich um ein etwas größeres Projekt handelt. Dazu gehören z.B. ‚Khmer Solar‘, ‚KamWorks‘ und ‚KC Solar‘.

      Falls Du noch konkrete Fragen hast, schreib uns auf jeden Fall an. 🙂

      Viele reisefrohe Grüße aus (aktuell) Laos,
      Anne

  2. Bin komplett sprachlos. Ihr versteht es echt dort zu helfen wo es drignend nötig ist… die arme frau muss ja total überrascht gewesen sein woher dieser gute segen plötzlich kommt ^^ sehr beeindruckend eure arbeit. ich wünsche euch noch viele viele weitere solcher erfahrungen.

    • Dankeschön für diesen lieben Kommentar. Wir schreiben es immer wieder, aber das sind einfach die Worte und die Rückmeldung die uns nochmal richtig Motivation geben weiterzumachen. Es freut uns sehr, dass Du unser Projekt dadurch unterstützt. Viele reisefrohe Grüße, Anne

  3. Hallo Anne & Sebastian,
    Euer Bericht hat mich sehr berührt. Installiert Ihr noch Solarmodule? Ich freue mich auf eine Nachricht von Euch.
    Viele Grüße
    Matthias

    • Hi Matthias,
      Danke für den lieben Kommentar! 🙂

      Ja, wir bzw. unser Verein installiert weiterhin aktiv Solarmodule (mittlerweile zusätzlich auch effiziente Solar-Kocher), derzeit liegt unser Fokus auf Tadschikistan (Bergdörfer im Bartang Valley). Leider kommen wir mit der Berichterstattung nicht ganz hinterher, was sehr schade ist da es viel Positives zu berichten gäbe! 😉
      Aber Hauptsache die Projekte laufen weiter und den Menschen wird geholfen.

      LG und alles Gute,
      Anne & Sebastian

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