Europa: Diese landestypischen K├Âstlichkeiten sind eine Reise wert

Aromatisches aus regionalen K├╝chen, ein Festival der Nudel und eins des Spanferkels, Nachtisch, den man den ganzen Tag genie├čen k├Ânnte: Wer sich in Europa kulinarisch umtut, kommt aus dem Schwelgen und Genie├čen nicht heraus. Wir laden ein, einige bekannte und einige nicht so bekannte Spezialit├Ąten aus verschiedenen Landesk├╝chen zu kosten. Doch wohlgemerkt: In manchen F├Ąllen erfordert das ein wenig Wagemut.

Finnbiff – ein Klassiker aus kalten Regionen

 

Hoch aus dem Norden Skandinaviens, von dort, wo Finnland an Norwegen grenzt, stammt ein Gericht, das in beiden L├Ąndern gesch├Ątzt wird: Finnbiff, wie es in Norwegen hei├čt, oder poron paistia (finnisch) ist gebratenes Rentier. Meist wird das Fleisch in d├╝nne Scheiben geschnitten und in Fett gebraten, gew├╝rzt und in einem Sud aus Wasser, Rahm und/oder Bier weichgekocht. Charakteristisch ist der feine Wildgeschmack, der es in aromatischer Hinsicht zwischen Rind und Rotwild ansiedelt. W├Ąhrend in Norwegen dazu gerne Kartoffelp├╝ree und Preiselbeeren serviert werden, bevorzugt man auf der anderen Seite der Grenze eingelegte Gurken als Beilage.

 

Calissons d’Aix – eins der 13 provenzalischen Desserts de N├Âel

 

Die s├╝├čen Schnitten sind das ganze Jahr ├╝ber erh├Ąltlich und schmecken nicht nur im Winter. Aber sie geh├Âren zu einer Reihe von S├╝├čspeisen, die in S├╝dfrankreich traditionell zur Weihnachtszeit auf den Tisch kommen. Calissons d’Aix enthalten Mandelpuder, kandierte Melonen, Orangen, Zitronen und Clementinen sowie Orangenbl├╝tenwasser, Mandelaroma und Puderzucker. Der Teig wird auf Oblaten ausgestrichen und mandelf├Ârmig ausgestochen. Dann kommt noch eine zarte Zuckerglasur ├╝ber jedes Calisson. Das Ergebnis? Ein ├╝berw├Ąltigender Geschmack in Form eines Geb├Ącks. Und Sehnsucht nach Aix-en-Provence, wo die Calissons vor ├╝ber 500 Jahren erfunden wurden.

 

 

Kitron, der Nationallik├Âr von Naxos

Ganze 2.000 Zedratb├Ąume gibt es auf der Kykladeninsel Naxos im S├╝den der ├äg├Ąis. Aus den Bl├Ąttern dieser Pflanze wird „Kitro Naxou“ hergestellt. F├╝r diesen in den Varianten klar, gr├╝n und gelb erh├Ąltlichen Lik├Âr gilt, was sonst Las Vegas f├╝r sich beansprucht – Kitron aus Naxos bleibt auf Naxos. Wer ihn probieren m├Âchte, dem bleibt nur eins: Ein Aufenthalt auf Naxos mit Verkostung in der Vallindras Distillery in Chalki. Am besten schmeckt der intensiv nach Zitrus duftende Kitron gut gek├╝hlt nach einem w├╝rzigen Essen.

 

 

Black & White Puddings – der Stolz von Cork County

Eine deftige Schweinerei f├╝r Mutige: Was im Deutschen so unsch├Ân Blutwurst hei├čt, nennt sich im englischen Sprachraum beinahe z├Ąrtlich Black oder White Pudding. „Schwarz“ ist diese irische Delikatesse, wenn sie Schweineblut und -fett, Mehl, Hafergr├╝tze, Zwiebeln und Fleisch enth├Ąlt. F├╝r die „wei├če“ Variante ersetzt der Chef de Cuisine das Blut durch Schweineleber. Als Hochburg der besten Pudding-K├Âche gilt die Ortschaft Clonakilty im Cork. Die Puddings sind aber nicht die einzige Spezialit├Ąt dieses beschaulichen K├╝stenst├Ądtchens: Dort residiert auch die Clonakilty Whiskey Distillery.

 

 

Porchetta abruzzese – ein Fest dem Spanferkel

 

Die mittel-/s├╝ditalienische Region der Abruzzen gilt als touristisch l├Ąngst noch nicht erschlossen. Und das, obwohl Spezialit├Ąten und Produkte aus diesem Landesteil schon lange internationales Ansehen genie├čen – zum Beispiel diverse Tr├╝ffelsorten, Pecorino, Scamorza und Spaghetti oder Rag├╣ all’arrabbiata. Italienweit bekannt ist das Porchetta-Festival, das allj├Ąhrlich in mehreren Orten der Abruzzen stattfindet. Es steht ganz im Zeichen des Spanferkels, das zweimal gekocht, entbeint, kr├Ąftig gesalzen, mit Knoblauch, Rosmarin, Thymian, Fenchelkraut und anderen Kr├Ąutern der Region gef├╝llt schlie├člich langsam am Spie├č ger├Âstet wird. Porchetta in dieser schon seit mehr als 400 Jahren praktizierten Art der Zubereitung wurde als traditionelles italienisches Lebensmittel von kultureller Relevanz zertifiziert.

 

 

Fuzi – die historische Nudel Istriens

 

Das kleine St├Ądtchen Zminj im Herzen der kroatischen Halbinsel ist allj├Ąhrlich im Juli Schauplatz eines besonderen Pasta-Festivals: Die Fuzijada. widmet sich nicht dem Grundnahrungsmittel des westlichen Nachbarlandes. Stattdessen werden Koch-Workshops und Verkostungen f├╝r, von und mit Fuzi angeboten. F├╝r diese regionstypische, in Kroatien und Slowenien zu findende Nudelform werden Rauten aus Nudelteig ├╝bereinandergelegt und in Bogenform gedr├╝ckt. Traditionell gibt es zu Fuzi eine mit Zwiebeln, Tomatenmark, Wei├čwein und Br├╝he zubereitete Kalbfleischsauce.

 

 

Norwegischer Lutefisk – ein „Geschenk“ der Wikinger

 

Getrockneter und in einer Lauge aus Buchen- oder Birkenasche rehydrierter Kabeljau mit der Konsistenz eines Wackelpuddings – das klingt genau nach dem, was er tut: Lutefisk (auch als Lyefish bekannt) polarisiert. Man liebt oder hasst ihn. Wie es die Legende will, verdankt sich seine Erfindung den brandschatzenden Horden der Wikinger, die unter anderem Gestelle mit getrocknetem Stockfisch anz├╝ndeten. Die brannten jedoch nicht ganz ab, und unter der bei den L├Âschbem├╝hungen nass gewordenen Asche entdeckten die zur├╝ckkehrenden Dorfbewohner Essbares. Um Lutefisk richtig zu genie├čen, braucht es Salzkartoffeln, Erbsenp├╝ree, gebratenen Speck und reichlich Aquavit.

 

 

Schilcherrahmsuppe mit Stangerl – mehr Steiermark in einer Mahlzeit geht nicht

 

Auf dem Umweg ├╝ber das S├╝ppchen zum Steirer Wein: Schilcher, ein Ros├ę aus der Weinbauregion Steiermark, ist manchem unbedarftem Neuling schlicht zu sauer. Wir schlagen also vor, sich dem in der Region auch als „Hemdenspreizer“ bekannten Rebensaft zun├Ąchst in Form der Schilcherrahmsuppe zu n├Ąhern. Die legierte Rahmsuppe wird mit Muskatnuss und Zimt gew├╝rzt und kommt mit Kr├Ąutern garniert auf den Tisch. Dazu schmecken B├Ątterteigstangerl, in die vor dem Backen entweder geriebene K├╝rbiskerne und Speckstreifen oder K├Ąferbohnenmus eingedreht wurden.

 

 

Danziger Pierogi

 

Streng genommen, sind die gef├╝llten Kn├Âdel oder Teigtaschen namens Pierogi (auch Piroggen) eine in ganz Osteuropa und bis nach Finnland verbreitete K├Âstlichkeit. Die Danziger Pierogi haben es immerhin zu solcher Ber├╝hmtheit gebracht, dass manche Reiseunternehmen eine „Teigtaschentour“ durch die Pommersche Hauptstadt anbieten. Die mehr oder weniger flachen Kn├Âdel aus Hefe-, Bl├Ątter- oder Nudelteig werden ├╝blicherweise ohne Sauce aufgetischt. Dank ihres nicht eben schlanken Teigs und der ├╝ppigen F├╝llung – zum Beispiel mit Sauerkraut und Pilzen, H├╝hnchenbrust und Rosinen und so fort – eignen sie sich trotzdem f├╝rs Sattessen. Oder zum Nachtisch, klassisch mit Heidelbeer- oder Erdbeerf├╝llung in Sauerrahm.

 

 

Portugiesische Seligkeit: Past├ęis de Nata und ein Glas Port

 

Dass das kleine Land im Westen der iberischen Halbinsel neben Portwein auch wunderbare Wei├č- und Rotweine sowie Ros├ęs hervorbringt, ist dankenswerter Weise kein Geheimnis mehr. Vor einigen Jahrzenten sah dies noch anders aus. Aber heutzutage wissen Weinkenner ganz genau, dass aus Anbaugebieten in Portugal Frische gepaart mit hohen Qualit├Ątsstandards erwartet werden kann.

Die typischen Desserts des Landes allerdings rufen geradezu nach dem herrlichen S├╝├čwein. Im Lissaboner Stadtteil Bel├ęm beispielsweise sind Past├ęis de Nata zu Hause. Die mit Sahnepudding gef├╝llten Bl├Ątterteigt├Ârtchen wurden (nat├╝rlich) in einem Kloster erfunden und mauserten sich schnell zur nationalen Spezialit├Ąt. G├Âttlich schmecken sie bestreut mit Zimt und Zucker und flankiert von einem guten Glas Port.

 

 

 

 

Millionaire Shortbread – wenn Schottland schwelgt

 

Die Schotten, so hei├čt es, haben das Shortbread erfunden – diese s├╝chtig machenden, schweren M├╝rbeteigkekse aus Mehl, Butter und Zucker. Offensichtlich hatte eine Hausfrau, ein B├Ącker oder ein Konditor genug von der sprichw├Ârtlichen Sparsamkeit und kreierte das Millionaire Shortbread. Diese bombastische Variante des Klassikers punktet mit einer d├╝nnen Schicht Karamell ├╝ber dem Keks. Gekr├Ânt wird die S├╝├čigkeit von einem dickem ├ťberzug aus schmelzender Milchschokolade. Unbedingt frisch probieren, also im Caf├ę oder direkt aus der B├Ąckerei!

 

 

Allerlei Aal im s├╝dlichen Schweden

 

Die K├╝che Schwedens zeichnet sich durch ein zeitgem├Ą├čes Neben- und Miteinander von traditionellen Gerichten und moderner Philosophie der Nachhaltigkeit aus. Der Aalfang beispielsweise geh├Ârt zum kulturellen Erbe von Sk├ąne („Schonen“ in deutscher Schreibweise). Weil die Best├Ąnde jedoch drastisch zur├╝ckgingen, darf der Speisefisch nur noch an drei Monaten im Jahr gefangen – genauer: ausschlie├člich geangelt – werden. Ende August bis Mitte Herbst finden ├╝berall an der K├╝ste die ├ůlagille statt. Bei diesen „Aalfesten“ wird der Fisch in zahlreichen Zubereitungsarten angeboten, gesalzen, eingelegt, auf verschiedene Weisen ger├Ąuchert, frittiert, in Form von Aalsuppe oder als Aalgulasch. Klassische Beilagen sind Roggenbrot oder Kartoffelstampf; traditionsgem├Ą├č geh├Ârt auch ordentlich Schnaps dazu.

 

 

Schweizer Jura: Saucisse d’Ajoie – Hot Dog f├╝r Gourmets

 

Was passt zu R├Âsti? Nat├╝rlich, Lachs mit Meerrettichsahne und Salat. G├Ąhn. Spannender wird’s nach Art der Westschweiz: Im Kanton Jura macht sich die knusprige Kartoffelspezialit├Ąt genial als Unterlage f├╝r dicke Scheiben gekochter Saucisse d’Ajoie. Die Wurst mit dem feinen K├╝mmelaroma ist IGP-zertifiziert (Indication G├ęographique Prot├ęg├ęe = gesch├╝tzte Herkunftsbezeichnung). Sie darf ausschlie├člich im Bezirk Porrentruy hergestellt werden – und sie gilt nur als echt, wenn alle Zutaten aus der Region stammen. Sie wird gegrillt, gebraten oder eben gekocht gegessen. Besonderes Highlight: Hot Dog mit allem – nur ohne W├╝rstchen, stattdessen mit Saucisse d’Ajoie.

 

 

Pesca├şto frito – w├╝rziger Imbiss an Andalusiens Str├Ąnden

 

Frittierter Frisch a la manera de M├ílaga braucht nur zwei Zutaten: Aceite de oliva virgen extra (Oliven├Âl extra vergine) und guten Fisch. Bei dem allerdings kommt es mehr auf die Frische und nicht so sehr auf die Sorte an: In den Strandlokalen im S├╝den Spaniens werden haupts├Ąchlich Sardellen, kleine Calamares und Sepie sowie Meerbarben angeboten. Beilagen? Schon m├Âglich, unentbehrlich aber sind nur Zitronenachtel, die gerne auch schon direkt ins Frittier├Âl ausgepresst werden. Eine leichte Zwischenmahlzeit, die nicht schwer im Magen liegt und auf die abendliche Paella einstimmt.

 

 

 

Wir hoffen unsere Empfehlungen und Tipps f├╝r die landestypischen K├Âstlichkeiten Europas haben Dir geholfen. Bereitest Du gerade Deine kulinarische Reise vor oder hast es schon hinter Dir? Haben wir etwas vergessen? Wir freuen uns auf Deinen Kommentar!

 

 

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